Press Releases  ·  13 | 10 | 2017

Connect to Reality at the GIFF

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Anlässlich des 23. Geneva International Film Festival (GIFF) begegneten sich zum dritten Mal Fachleute und wichtige Akteure-der Schweizer Kinobranche im Rahmen von Connect to Reality, einer Diskussionsplattform, die von den Festivals von Locarno, Zürich und Genf ins Leben gerufen wurde. Zusammen erörterten sie Vorschläge zur Stärkung der Kontinuität und zum Überdenken der verschiedenen Ausbildungen in der Kinobranche.

Im Rahmen des GIFF begegneten sich am Dienstag, den 7. November, Autoren, Regisseure, Produzenten und Vertreter der Schweizer Filmbranche sowie internationale Gäste, die zusammen den Schaffensprozess, die Ausbildung, Arbeitskontinuität und Beziehung zwischen Filmautoren und -produzenten in der Schweiz erörterten. Während diesem Treffen wurden mehrere neue Vorschläge formuliert, insbesondere die Einführung von spezialisierten Fachrichtungen - in den Bereichen Regie, Schnitt, Tonaufnahme, Beleuchtung und entstehenden Medien - auf der Ebene eines landesweiten Masters. Ausserdem besprochen wurde die Schaffung eines "Slate Funding" für Autoren, d.h. die Einführung einer automatischen Unterstützung, wenn ein Filmprojekt bereits von den wichtigsten Akteuren für dessen Produktion und Ausstrahlung unterstützt wird.

Mehrere Teilnehmer unterstrichen die Bedeutung der Diskussionen auf neutralen Plattformen über die grundlegenden Fragen betreffend der Zukunft der Schweizer Kinobranche. Sie gaben aber auch dem Wunsch nach künftig entspannteren Diskussionen während dem Programm Connect to Reality, um so eine konstruktive Dynamik rund um die Fragen über Schweizer Vertrieb, Produktion und Filmschaffen zu ermöglichen. Alle anwesenden Fachleute betonten, dass die Einführung eines Systems, wie es bereits in den meisten anderen westlichen Ländern existiert, in der Schweiz dringend nötig ist. Dieses System sieht die Wiederinvestition eines Teils der von Kabelnetzbetreibern und Hauptakteuren im Digitalbereich erzielten hohen Jahresgewinne im schweizerischen Filmbereich vor.

Den Auftakt zu dieser Klausurtagung bildete eine Debatte über Filmschaffen zwischen dem Schweizer Regisseur und Autor Jacob Berger, dem indischen Regisseur Sanal Kumar Sasidharan und der französisch-polnischen Produzentin Maria Blicharska. Während dieser Debatte betonten sie alle die Notwendigkeit, flexiblere Finanzierungsmodelle zu finden, um mehr Kreativität im Filmbereich zu fördern. Sie erinnerten daran, dass ein Drehbuch permanent umgestaltet wird und deshalb nicht das einzige Hauptkriterium bei der Bewertung eines Filmprojekts bilden kann.

Diese Gesprächsrunden setzten mehrere innovative Denkanstösse frei. Obwohl bezüglich des Themas Ausbildung die meisten Teilnehmer die Schaffung einer landesweiten Kinoschule ablehnten, gaben sie dennoch dem Wunsch Ausdruck, die Mobilität zwischen den Schweizer Schulen ab Bachelorstufe stärker zu fördern und einen landesweiten Master mit Spezialisierungen für jeden Filmberuf einzuführen. Filmstudenten sollte auch die Möglichkeit gegeben werden, «mehr mit der Realität konfrontiert zu werden», mittels mehr Mentoring, direkter Dreherfahrung während Praktika und schnelleren Kontaktmöglichkeiten mit Produzenten.

Die mangelnde Kontinuität in den Filmberufen sei zurückzuführen auf die fehlende Abgrenzung – in den Schweizer Filmfinanzierungskreisen - zwischen Neuankömmlingen und erfahrenen Fachleuten sowie auf die oft gespannten Beziehungen zwischen Autoren und Produzenten und dem eklatanten Mangel an aktiven professionellen Drehbuchautoren in der Schweiz. Unter den gemachten Vorschlägen stach eindeutig die Idee eines dem europäischen Modell nachempfundenen «Slate Funding» für Autoren hervor, das es ihnen ermöglichen würde, gleichzeitig mindestens drei Projekte - in Verbindung mit einem oder mehreren Produzenten - zu entwickeln. Ausserdem wurde vorgeschlagen, dass diejenigen Projekte, die Förderungsausschüssen vorgelegt werden und bereits grosse Unterstützung von einer kohärenten Gruppe an Akteuren der Produktions- und Ausstrahlungskette erhalten, automatisch unterstützt werden sollten. Eine solche Massnahme würde die Entscheidungskompetenz der Produzenten konsolidieren und die unternehmerische Leistungsfähigkeit stärken, was jedermanns Wunsch ist. Denkbar wäre auch ein «ovni Track», um die neuen Formate und innovative, originelle Projekte zu fördern, sowie ein «Fast Track» basierend auf dem kanadischen Modell, das es den Filmemachern - insbesondere der neuen Generation - ermöglicht, einen Film mit weniger Mitteln, aber schneller und mit reeller künstlerischer Risikobereitschaft zu drehen.

Mit dem dritten Teil von Connect to Reality haben die Fachleute der Schweizer Kinobranche die Stärken und Schwächen des Systems zur Förderung des unabhängigen Filmschaffens grundlegend analysiert und innovative Ideen gefunden, um künftig die Kontinuität und die Beziehung zwischen Autor und Produzent zu stärken.