Press Releases  ·  24 | 06 | 2019

Fredi M. Murer erhält den Pardo alla carriera 2019

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Fredi M. Murer wird vom Locarno Film Festival für sein Lebenswerk ausgezeichnet und erhält den Pardo alla carriera 2019. Der Schweizer Regisseur, Drehbuchautor, Fotograf und Zeichner ist dem Festival seit 40 Jahren freundschaftlich verbunden und wird am Donnerstag, 15. August auf der Piazza Grande zu Gast sein. Zu seinen Ehren zeigt das Festival einige seiner restaurierten Filme: Grauzone (1979), Wir Bergler in den Bergen sind eigentlich nicht schuld, dass wir da sind (1974), Höhenfeuer (1985) und Der grüne Berg (1990).

Der Pardo alla carriera der 72. Ausgabe des Locarno Film Festival geht an Fredi M. Murer, Schlüsselfigur des unabhängigen Schweizer und internationalen Films. Der freie und visionäre Künstler hat mit seiner Kreativität und seinem Pioniergeist das schweizerische Filmschaffen während über 50 Jahren massgeblich geprägt. Seine Poesie stand immer im Dienste des politischen und zivilen Engagements und betrachtete die Welt – insbesondere die Schweiz – mit anderen Augen. Das Locarno Film Festival entdeckte ihn erstmals 1979 mit dem Film Grauzone. Seit nunmehr vierzig Jahren ist die innige Freundschaft mit dem Künstler ungebrochen, und das Festival freut sich, die restaurierte Fassung des Films Grauzone als Weltpremiere präsentieren zu dürfen. Die Restauration wurde von der Cinématèque suisse geleitet.

Grauzone ist nicht der einzige restaurierte Film Murers, der an der 72. Ausgabe des Locarno Film Festivals läuft. Auch andere restaurierte Originalfassungen werden in Locarno zu sehen sein: Wir Bergler in den Bergen sind eigentlich nicht schuld, dass wir da sind (1974), der zu den wichtigsten Werken Murers gehört und in Locarno 1975 mit dem Preis der FIPRESCI auszeichnet wurde, sowie Der grüne Berg (1990), den Murer anlässlich der ersten Ausgabe der Semaine de la critique in Locarno vorstellte. Die unabhängige Sektion für Dokumentarfilme feiert dieses Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Das Locarno Film Festival zeigt Der grüne Berg aus diesem Anlass in seiner restaurierten Fassung.

Im Programm der Hommage an Fredi M. Murer darf natürlich ein Film nicht fehlen, der ebenfalls zu seinen in Locarno gefeierten Meisterwerken gehört: Höhenfeuer, der unvergessliche Film, der 1985 in Locarno den Pardo d’oro erhielt. Er ist der vierte im Bunde der restaurierten Werke Murers, die an der 72. Ausgabe des Locarno Film Festivals zu sehen sein werden. Zu seinem Ehren wird das Festival auch eine Auswahl seiner Originalbilder ausstellen, denn Murer ist nicht nur Regisseur und Drehbuchautor, sondern auch Fotograf und Illustrator.

Lili Hinstin, künstlerische Leiterin des Locarno Film Festivals: «Das Locarno Film Festival war immer schon ein Schaufenster für den Schweizer Film in all seinen Aspekten: Gegenwart, Zukunft, Vergangenheit. Fredi M. Murer hat seine Zeitgenossinnen und Zeitgenossen portraitiert und sich dabei die Zukunft seines Landes vorgestellt. Er hat die Geschichten von Menschen aus den abgelegensten Orten erzählt und mit der Zeit gespielt, mit seiner Kunst und seiner Epoche. Durch seine Darstellung der Schweiz hat er den Schweizer Film stark beeinflusst. Es freut mich sehr, dass ich bei meinem Einstand in Locarno einen der grössten Schweizer Filmemacher würdigen darf

Fredi M. Murer wird den Pardo alla carriera am 15. August auf der Piazza Grande entgegennehmen. Am Freitag, 16. August um 13:30 Uhr kann das Festivalpublikum zudem an einem Podiumsgespräch mit dem Filmemacher im Spazio Cinema teilnehmen.

Zu den bisherigen Gewinnerinnen und Gewinnern des Pardo alla carriera gehören Francesco Rosi, Claude Goretta, Bruno Ganz, Claudia Cardinale, Johnnie To, Harry Belafonte, Peter-Christian Fueter, Sergio Castellitto, Victor Erice, Marlen Khutsiev, Bulle Ogier, Mario Adorf und Jane Birkin.


Die 72. Ausgabe des Locarno Film Festivals findet vom 7. bis 17. August statt.

www.locarnofestival.ch

 

Biografie Fredi M. Murer
Geboren 1940 in Beckenried/NW am Vierwaldstättersee, Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Als talentierter Zeichner und Fotograf mit einem subtilen Vorstellungsvermögen näherte er sich bald dem Film. Schon in seinen frühesten Werken portraitierte er seine Freunde aus Künstlerkreisen, die mit den traditionellen Werten der damaligen Gesellschaft brachen (Chicorée und Bernhard Luginbühl, beide 1966 und Passagen, 1972). Mit den Jahren näherte er sich immer stärker der stillen Alpenwelt an, die er zur Protagonistin machte: Wir Bergler in den Bergen sind eigentlich nicht schuld, dass wir da sind (1974) und sein erster Spielfilm Grauzone (1979), eine komplexe und raffinierte Metapher des konformistischen Klimas in der Schweiz während der ersten Jugendunruhen zu Beginn der Achtzigerjahre. Der eigentliche Durchbruch gelang ihm jedoch mit Höhenfeuer (1985), das die inzestuöse Liebe zweier Geschwister in der Isolation der abgeschiedenen Bergwelt erzählt. Es folgten Sehen mit anderen Augen (1987) und sein zweiter grosser Dokumentarfilm Der grüne Berg (1990). Der Film Vitus (2006) mit Bruno Ganz brachte ihm den Schweizer Filmpreis 2007 als besten Spielfilm und zahlreiche internationale Anerkennungen ein. Sein letzter Film, der auf einem Roman seiner Mutter basiert, war Liebe und Zufall (2014).