Grenzenlose Neugier: Wenn Erfahrung und Nachwuchs sich treffen

Präsentation des Gesamtprogramms von L’immagine e la parola.

Der Austausch zwischen erfahrenen Profis und Nachwuchstalenten als Nährboden für Kreativität zieht sich als roter Faden durch das Programm von L’immagine e la parola, dem Frühlingsevent des Locarno Film Festivals. Die 7. Ausgabe findet vom 29. bis 31. März 2019 im Kino GranRex in Locarno statt.

In einer Zeit, in der die menschlichen Beziehungen fragiler werden und ein schwindendes Vertrauen in die Zukunft das soziale Gefüge prägt, setzt das Locarno Film Festival auf den kulturellen Austausch zwischen den Generationen. Auch das diesjährige Programm von L’immagine e la parola steht im Zeichen der Wechselwirkung zwischen antikonformistischen Leitfiguren und wissbegierigen Talenten. Im Mittelpunkt steht der einzigartige ungarische Filmemacher Béla Tarr, der die Regie zugunsten der Lehrtätigkeit an den Nagel gehängt hat und in Locarno einen seiner gefragten Workshops leiten wird. Weitere Höhepunkte bilden die Hommage an Bernardo Bertolucci, der in seinen letzten Filmen über die Jugend nachdachte, sowie Ana Shametajs filmisches Porträt von Mariangela Gualtieri. Die zwanzigjährige Filmemacherin findet in den Worten der italienischen Dramaturgin und Dichterin Worte Inspiration für ihre eigene Generation. Die 7. Ausgabe widmet sich somit drei Filmschaffenden, die auf ihren Entdeckungsreise durch die Gegenwart nicht müde werden, die Grenzen der Kunst auszuloten und deren kreatives Potential für die kommenden Generationen freizulegen.

Zentrale Figur dieser Ausgabe ist Béla Tarr, der L’immagine e la parola mit Werckmeister Hàrmoniák (Die werckmeisterschen Harmonien, 2000) eröffnen wird. Dieser grossartige Film basiert auf der Romanvorlage des ungarischen Schriftstellers László Krasznahorkai. Er deutet die Desorientierung der post-kommunistischen Gesellschaft in eine kraftvolle Allegorie über die Weltordnung um. Von Tarr stammt auch der Film A torinói ló (Das Turiner Pferd, 2011), eine brillante Reflexion, die von den Theorien Nietzsches ausgeht und diese in eine visionäre, zeitlose Parabel verwandelt. Im Anschluss an L’immagine e la parola wird Béla Tarr den Workshop Mountains –Loneliness – Desire leiten. Gemeinsam mit einem Dutzend junger Filmschaffenden aus der Schweiz und dem Ausland wird der Regisseur einen Film über die Berge rund um Locarno drehen. Das Projekt wurde vom Locarno Film Festival und der CISA (Conservatorio Internazionale di Schienze Audiovisive) mit Unterstützung der Ticino Film Commission entwickelt.

Der kürzlich verstorbene Bernardo Bertolucci war ein Meister seines Fachs. Bereits 1997 wurde der Regisseur mit dem Pardo d’onore des Locarno Film Festivals ausgezeichnet und blieb dem Festival zeit seines Lebens eng verbunden. Am Samstagabend, 30. März steht zu seinen Ehren das herzergreifende Werk Io e te (2012) auf dem Programm. Die Hommage wird vom mehrfach preisgekrönten Cutter Jacopo Quadri sowie von Paolo Mereghetti, Filmkritiker des Corriere della Sera, begleitet. Bereits am Samstagnachmittag wird Paolo Mereghetti in der Kantonsbibliothek von Locarno seine jüngste Ausgabe des Dizionario dei film (Baldini+Castoldi) vorstellen. Dabei handelt es sich um ein monumentales Werk, in dem der Autor sein unerschöpfliches Fachwissen in über 30'000 Filmrezensionen teilt und dank den berühmten Sternchen mit einer spielerischen Note versieht.

L’immagine e la parola hat sich zum Ziel gesetzt, verschiedene Kunstrichtungen miteinander zu verknüpfen. Erstmals öffnet die Veranstaltung ihre Türen der Poesie. Mariangela Gualtieri, die gemeinsam mit Cesare Ronconi die Theaterkompanie Teatro Valdoca begründete, wird am Sonntagnachmittag Protagonistin des Klangrituals Bello Mondo sein. Dafür wird die Dichterin Passagen aus ihrer Gedichtsammlung Le giovani parole (Verlag Einaudi) vorlesen. Anschliessend wird der Film Gli indocili von Ana Shametaj als Internationale gezeigt. Die Regisseurin begleitete dafür eine Gruppe von zwanzigjährigen Schauspielerinnen und Schauspielern während ihrer Ausbildung und zeigt dokumentarisch auf, wie die Gruppe dank der stillen und charismatischen Präsenz Gualtieris den Wert der Poesie für den Alltag entdeckt. Die Gespräche werden von Laura Accerboni in Zusammenarbeit mit dem Babel-Festival di Letteratura e traduzione moderiert und von OSA (Organico scena artistica!) unterstützt.

Die 7. Ausgabe von L’immagine e la parola steht unter der künstlerischen Leitung von Lili Hinstin und der Kuratorin und Filmkritikerin Daniela Persico. Sie findet von Freitag, 29. März bis Sonntag, 31. März 2019 statt.

 

www.locarnofestival.ch

 

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