Mütter und ihre Geschichten

"Figlia mia" by Laura Bispuri

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Das Universum der Frau und der Mutterschaft mit all ihren Facetten stehen im Mittelpunkt von L’immagine e la parola des Locarno Festivals. Die sechste Ausgabe des Frühlingsevents findet vom 16. bis 18. März 2018 im Kino GranRex statt.

Während sich die Medien zurzeit vorwiegend mit der Verletzlichkeit der Frauen in der Filmindustrie beschäftigen, will das Locarno Festival einige junge Autorinnen vorstellen, die neue filmische und literarische Ausdrucksformen geschaffen haben. Themen wie selbstbestimmte Mutterschaft, eheliche Ungebundenheit und die Ambivalenz der Mutterliebe bestimmen die Werke von Laura Bispuri, Susanna Nicchiarelli und Antonella Lattanzi. Diese Frauen gehören der sogenannten „Generation X“ an, die im Schatten der feministischen Revolution aufgewachsen ist und die Forderungen derselben nun im heutigen Kontext neu interpretieren muss.

Figlia mia (2018) von Laura Bispuri steht auch im Wettbewerb der kommenden Berlinale und erzählt von einem Mädchen, das von ihrer Adoption erfährt. Die Geschichte dreht sich um den Wettstreit zweier Frauen, welche beide die Mutterschaft über die Kleine beanspruchen. Ein Film wie ein Western, vielschichtig und spannend, der das Talent der Regisseurin für Frauenportraits jenseits aller Klischees zur Geltung bringt. Archetypisch und doch nebulös ist die einstige Sängerin von The Velvet Underground und später „Priesterin der Finsternis“ genannte Solokünstlerin, die im Zentrum von Nico, 1988 (2017) steht. Die Regisseurin Susanna Nicchiarelli begleitet die Frau durch die letzten beiden Jahre ihres Lebens beim Versuch, den Sohn, den sie einst verlassen hatte, „zu retten“.
Beide Filme entstanden mit Hilfe des aufmerksamen Produzentenpaars Marta Donzelli und Gregorio Paonessa (Vivo Film). Zusammen mit den Regisseurinnen werden sie ihre Filme bei der Schweizer Vorpremiere in Locarno vorstellen.

Keine Berührungsängste mit dem Noir-Genre hat die Schriftstellerin Antonella Lattanzi (Devozione, Prima che tu mi tradisca). Schnörkellos und messerscharf umreisst sie in Una storia nera (Mondadori) das Thema der häuslichen Gewalt. Lattanzi, die auch Drehbuchautorin für junge italienische Filmemacher ist, hat aufgrund von Tatsachenberichten aus den Medien eine Geschichte über die problematischen und schwer fassbaren Hintergründe der Gewalt gegen Frauen geflochten.

Dieses Jahr haben wir für L’immagine e la parola eine neue, mehrstimmige Formel gewählt,“ erklärt Carlo Chatrian, künstlerischer Leiter des Locarno Festivals „Wir haben Künstlerinnen, die uns mit ihren eindringlichen Darstellungen von Mutterfiguren beeindruckt haben, nach Locarno eingeladen, damit sie sich hier präsentieren können. So wird uns L’immagine e la parola dieses Jahr auf eine abwechslungsreiche Reise durch Filme und Begegnungen mitnehmen dank einem Programm, das sich wie ein Fenster auf das stetig Neue hin öffnet, auf jenes italienische Kino, das im Tessin zwar sehr beliebt ist, aber oft gar nicht bis zu uns vordringt. Wir sind überzeugt, dass die Filme von Bispuri und Nicchiarelli sowie die Erzählungen von Lattanzi das Publikum berühren werden. Vielleicht geht diese Ausgabe sogar stärker unter die Haut als die früheren.“

Die sechste Ausgabe von L’immagine e la parola steht unter der künstlerischen Leitung von Carlo Chatrian und wird von der Filmkritikerin Daniela Persico betreut. Sie dauert von Freitag, 16. März bis Sonntag, 18. März 2018.

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